Allein oder was?

Allein oder was? Wenn ich sage: "ich vermisse dich", ist es ein Phrase. Und doch ist sie ernster gemeint, als es den Anschein hat. Aber nur, weil er sie nicht so versteht, wie sie ausgesprochen wird. Er denkt, ich münze sie auf einen Augenblick, dennoch meine ich die Zeit. So oft schon habe ich meinen Kummer ertränkt, so oft mir Luft gemacht, und es am Ende bereut. Weil meine Luft nicht seine ist. Er sieht sich, sein Werken, ich weiß, was er will. Aber es ist niemals das Gleiche. Er will Madame Sauberfrau, Fräulein Hübsch und Miss Beschwer Dich nie. Und ich will Herrn Verständnis, Mister Ich Liebe Dich und Monsieur Ich weiß, Was Du Durch Machst. Er will, dass ich ihn verstehe, ich will, dass er mich versteht. Allerdings wird dies nicht passieren. Seine und meine Vorstellungen sind plus-umd-minus-Pol. Den ganzen Tag könnte ich heulen, weil meine Liebe so stark ist. Jeden Tag rede ich mir ein, könnte ich ihm alles verständlich machen, würde er verstehen, würde er mir nicht ewig mit dem Allein-Sein drohen. Will er nicht oder kann er nicht? So weit ist es schon mit mir, dass ich vor lauter Sehnsuncht und Angst, ihn zu verlieren, allein zu sein, zurück stecke, alles andere, was ihm nicht passt, aufgebe, an mir arbeite. Bin nicht nur Arbeiterin und verdiene den Großteil unseres Einkommens, bin Mutter mir Leib und Seele, bin Hausfrau, seine Putzfrau, nur damit er sich wohl fühlt. Auch bin ich seine Anwältin, seine Managerin, seine Dolmetscherin, seine Freundin, seine Geliebte, wenn er es braucht. Nur Eines bin ich nicht: gleichberechtigte Partnerin oder gar seine EHEFRAU. Schimpfen, mich beklagen, sagen, was mich stört, was ich gerne anders hätte, das darf ich niemals, weil er mit Scheidung droht. Jeder Außenstehende würde sagen: warum erniedrigst du dich? Warum läßt du dir das gefallen?". Dann sage ich: "Habt Verständnis für seine Situation. Er arbeitet sich krumm und bucklig, 7 Tage die Woche à 14 h und das für unter 1000 Euro, nur weil seine Ehre ihm sagt, er müsse es tun, um seine Familie zu ernähren." Und in dem Moment, wo ich mir seine Entschuldigung denke, frage ich mich plötzlich: wer bitteschön zählt zu seiner Familie? Seine Eltern? Sein Bruder und dessen Familie? JA. Und wir? Tatze und ich? Tatze vielleicht. Ich? NEIN, denn ich mach nur Stress, ich diskutiere, ich meckere, und das Schlimmste ich......! Familie für ihn. Na ich nicht. Er sagt zwar, dass er mich liebt, und er macht kleine Geschenke, kleine Gesten, doch habe ich das Gefühl, diese dienen nur meiner Beruhigung. Ehrlich gemeinte Worte, Gesten, Taten, sind rarer als das Bernsteinzimmer. Das ist nur mein Gefühl, dass mich so unendlich traurig macht. Ja, ich liebe ihn, aber ich weiß nicht, wie lange ich die glückliche Ehefrau noch spielen kann?

27.4.15 22:52

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL