Bla-Bla-Sex

Bis in die Morgenstunden ging diese Diskussion, dieses Hin-und-Her noch. So einiges habe ich ihm vorgeworfen, Kälte, Roheit, Egoismus. Nicht gegenüber einer Familie. Zu der hält er, hält daran fest. Auch mein Argument, Tatze und ich sind auch seine Familie, nutzten nix. Immer wieder der Vorwurf, ich hätte sein Eis zu verschulden durch mein Benehmen, durch meine Diskussionen, auch durch die Trinkerei. Unrecht hat er ja nicht. Das muss ich schon eingestehen. Aber in letzter Zeit habe ich mir viel Mühe gegeben, Geduld und Verständnis gezeigt, auch wenn es innerlich noch so gebrodelt hat. Ein Laden zu eröffnen ist harte Arbeit und sehr zeitintensiv, da muss ich eben zurückstecken. Aber das Einzige, was ich immer von ihm verlangt habe, was ich immer noch verlange, sind Hingabe mir gegenüber. So wie er für seine Familie da ist, wünsche ich das auch für mich, und auch für meinen Sohn. Mir hier und da Geld zustecken, reicht nicht. Hin und wieder eine NAchricht, dass er mich liebt, ist unbefriedigend. Zumal ich nicht weiß, ob er auch meint was er sagt. Was nutzen mir schöne Worte, wenn seine Taten nicht seinem Gerede entsprechen.

Klar bin ich nervig in diesem Punkt. Wenn ich reden will, unsere Probleme anspreche, Missverständnisse aus der Welt schaffen will, schweigt er lieber. Auch ein "Komm kuscheln" ist ungenügend. Er soll seine Gefühle mir gegenüber zeigen, mich in den Arm nehmen, wenn er spät nach Hause kommt. Mich küssen, kein Schmatzer auf die Wange drücken. Ich will kein "Na wie war dein Tag?", eher ein "Ich habe dich vermisst, Schatz" verbunden mit mich umschlingen. Das würde mir seine Zuneigung näher bringen, mir zu verstehen geben, dass er es aufrichtig meint.

Dann immer wieder diese leeren Versprechungen, "wir reden morgen, heute bin ich zu müde", und am Ende bleibt es ungesagt, oder nur ich rede und er kocht vor Wut. So nach dem Motto, warum ich ihn denn nicht endlich damit in Ruhe lasse. Auch sein "heute kein Sex, ich bin krank, merkst du nicht, wir machen moirgen", sind am nächsten Tag vergessen. Wenn ich mich nicht immer wieder annähern würde, ihn liebkosen würde, fällt ihm nicht mal auf, dass ich da bin, dass ich Bedürfnisse habe.

Gerne wünsche ich mir, dass er mich liebkost, dass er mich streichelt, dass er sich einfach nur Mühe gibt, mich zu verwöhnen, auch wenn er geschafft vom Tage ist. Hab ich denn kein Alltag? Hab ich nicht auch einen Job, zudem noch mein Kind, den Haushalt, seine Bürokratie, die ich für ihn erledige, weil er sie nicht versteht? Und wenn ich seine Pflichten erfülle, kommt kein "Dankeschön", keine Anerkennung für meine Leistungen. Ok es ist tatsächlich nicht viel, was ich vollbringe, weil ich mich selbst schon längst aufgegeben habe, ich stagniere, weil ich resigniere, was mein Leben betrifft. Meinen Arsch bekomme ich kaum noch hoch, weil alles andere bequemer ist. Wo ich doch so viel im Kopf habe, an das ich denken muss, was ich organisieren muss, worum ich mich kümmern muss.

Ja schön, heute morgen durch Tatze geweckt, wegen Ostern, wegen Tiergarten, Eier suchen. Kein "Guten Morgen, Schatz", kein Küsschen, kein mich -an-sich-ziehen. Er ging ins Bad, ich wartete im Flur, er kam raus, und prombt an mir vorbei, kein Blick, kein Nix. "Wie lange willst du mich noch bestrafen?". Als Antwort nur ein "denk mal selber". Ich will reden, auch wenn Tatze daneben steht, er kriegt es ja doch mit, also warum nicht ehrlich sein und ihm zeigen, was nicht stimmt? Warum verheimlichen, wenn Tatze es doch sowieso weiß? Mein Sohn sieht doch sofort, wenn es seiner Mama nicht gut geht, wenn sie traurig ist. Das Gute, er läßt es nicht an Orhan aus, er tröstet mich lieber mit einem "arme Mama". Bis zum Eingang musste ich seine Kälte ertragen, in Kauf nehmen, bis er plötzlich mich in den Arm nahm, mir seine Hand reichte und ein Schmatzer auf die Wange drückte. Schauspiel für die Außenwelt. Siehe da, meine heile Welt. Und wieder zu Hause, Tatze vor den Fernseher gesetzt, mich ins Bad gelotst und mich genommen. Mich geküßt, mich umarmt, mich ausgezogen und der lächerliche Befridigungsversuch. Als hätte ich nur auf Sex gewartet, als wäre es das Einzige, was ich von meinem Mann will. Klar hab ich es genossen (zum Teil, mein Arsch ist nunmal nicht der perfekte Ort, um einen Orgasmus zu bekommen, zumal er weiß, dass es mir nicht sonderlich gefällt. Es tut eben weh am Anfang, und befriedigend ist es auch nicht gerade. Aber ich will ja auch nicht egoistisch sein, und ihm zuliebe strecke ich ihm gerne mal meinen Hintern entgegen. Und am Ende hole ich mir, was ich will, wenn nur diese dumme Sache mit seinem zu-schnell-kommen nicht wäre, die mich nicht mal an den Rand der Ekstase führt), aber ein Höhepunkt fühlt sich nunmal anders an.

Dann diese blöde Satz: "Gehts dir jetzt besser, bist jetzt zufrieden?". Am Liebsten hätte ich ihm ins Gesicht gespuckt. Was nutzt mir Versöhnungssex, wenn es nur dem Zweck der Ruhigstellung dient? Damit sind weder unsere Probleme gelöst, noch bin ich zufrieden. Keiner von uns Beiden hat damit die Sache aus der Welt geschafft, hat sie lediglich nach hinten ins Abseits geschoben, bis sie sich wieder nach vorne wagt, weil es zu harmonisch geworden ist. Die Unzufriedenheit bleibt bestehen. Und das auf beiden Seiten.

Was mir jetzt bleibt, wie immer, ist mich wieder hinsetzten, für eine Weile resignieren und die glückliche Ehefrau spielen. Er kommt heute abend nach Hause, essen (ausnahmsweise darf ich für ihn kochen, weil Ostern ist), kurz kuscheln, schlafen. Er wird nicht sehen, wenn ich mir etwas Besonderes für ihn anziehen werde, mein Make-up ist unsichtbar und dringt gar nicht erst in sein Hirn vor, obschon seine Augen es sehen werden. Das Essen wird schmecken, weil Frauchen es gerne hört, da sie ja eigentlich nicht wirklich kochen kann, zumindest nicht türkisch. Und italienisch, das Einzige, was ich wirklich gut kann, was es nunmal bei mir gibt, ist ihm wie eh und je fremd. Warum auch immer. Dabei passe ich immer auf, dass ich kein Schweinefleisch benutze. Gebe Unmengen an Geld aus, damit er seine Leckereien bekommt. Gewürdigt werden diese nur pro forma, um ja keine erneute Diskussion vom Zaun zu brechen. Dann müsste er ja wieder den sturen Bock spielen, der mir die Schuld für seine Kälte gibt, und vielleicht ein kurzer Ritt, damit Frauchen wenigstens nachts Ruhe gibt und er schlafen kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Mich heute Abend verwöhnen wird wahrscheinlich nicht drin sein. Dazu wird er zu müde, krank und erledigt nach Hause kommen, und ich sollte mich damit zufrieden geben, wenn er überhaupt käme.

Wie lange wohl werde ich dieses Spiel noch ertragen, mitmachen? Wann frißt mich diese Situation auf?

5.4.15 13:43

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